Ratgeber

Inkasso-Mahnung erhalten? So reagieren Sie richtig

Ein Brief vom Inkassobüro macht Angst. Aber: Nicht jede Forderung ist berechtigt. Erfahren Sie, wie Sie unseriöses Inkasso erkennen und was Sie jetzt tun sollten.

Was ist Inkasso – und wann ist es berechtigt?

Inkassounternehmen treiben Forderungen im Auftrag von Gläubigern ein. Das ist grundsätzlich legal und in vielen Fällen auch berechtigt – etwa wenn Sie eine Rechnung übersehen haben. Allerdings nutzen unseriöse Firmen das Inkassosystem gezielt aus, um Druck auf Verbraucher auszuüben und Geld für nicht existierende Forderungen einzutreiben.

Ich bearbeite seit über 10 Jahren Fälle im Bereich Inkasso-Abwehr. Die Erfahrung zeigt: Ein großer Teil der Inkasso-Schreiben, die mich erreichen, basiert auf zweifelhaften oder gar nicht existierenden Forderungen.

Frau erschrocken über Inkasso-Brief

Seriöses oder unseriöses Inkasso? So erkennen Sie den Unterschied

Seriös
  • Im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen
  • Nennt Gläubiger, Forderungsgrund und Höhe
  • Gewährt Widerspruchsfrist
  • Schlüsselt Kosten transparent auf
Unseriös
  • Massive Drohungen (Pfändung, Haft, Schufa)
  • Extrem kurze Zahlungsfrist (24–48 Stunden)
  • Unklarer oder fehlender Forderungsgrund
  • Überhöhte Inkassogebühren

Typische Inkassounternehmen, die mir immer wieder begegnen: COEO Inkasso GmbH, Culpa Inkasso GmbH, eCollect AG, Fairmount GmbH, National Inkasso GmbH und Auer Witte Thiel. Prüfen Sie in der Musterschreiben-Übersicht, ob für Ihr Inkassounternehmen bereits ein Musterschreiben verfügbar ist.

Was tun bei einer Inkasso-Mahnung?

Mann liest besorgten Brief von Inkasso

Die goldene Regel: Nicht ignorieren, aber auch nicht sofort zahlen. Beides kann Sie Geld kosten. Gehen Sie stattdessen systematisch vor:

1

Forderung prüfen

Kennen Sie den Gläubiger? Haben Sie tatsächlich einen Vertrag abgeschlossen? Prüfen Sie, ob die Forderung plausibel ist. Unseriöse Inkassoschreiben setzen darauf, dass Verbraucher aus Angst sofort zahlen.

2

Schriftlich widersprechen

Wenn die Forderung unberechtigt ist: Widersprechen Sie schriftlich und nachweisbar (Einschreiben mit Rückschein). Bestreiten Sie die Forderung dem Grunde nach. Zahlen Sie keine Teilbeträge – das könnte als Anerkennung gewertet werden.

3

Belege anfordern

Verlangen Sie einen Nachweis für den angeblichen Vertrag. Seriöse Inkassounternehmen können das. Unseriöse bläffen nur – und legen nach dem Widerspruch oft die Hände in den Schoß.

4

Fristen beachten

Reagieren Sie zeitnah. Wenn die Gegenseite einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragt und Sie nicht innerhalb von 14 Tagen Widerspruch einlegen, wird die Forderung rechtskräftig – selbst wenn sie unberechtigt war.

Achtung Mahnbescheid: Die 14-Tage-Frist

Wenn ein Unternehmen oder Inkassobüro einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragt, erhalten Sie einen gelben Brief vom Amtsgericht. Ab Zustellung haben Sie genau 14 Tage Zeit, Widerspruch einzulegen.

Verpassen Sie diese Frist, wird die Forderung vollstreckbar – unabhängig davon, ob sie berechtigt ist oder nicht. Das Gericht prüft im Mahnverfahren nämlich nicht, ob die Forderung tatsächlich besteht. Es reicht, Widerspruch einzulegen – das Mahnverfahren wird dann gestoppt.

Tipp: Legen Sie den Widerspruch sofort ein. Das Formular liegt dem Mahnbescheid bei. Im Zweifel wenden Sie sich umgehend an einen Anwalt.

Frau öffnet Mahnbescheid

Verjährung von Inkasso-Forderungen

Die reguläre Verjährungsfrist beträgt 3 Jahreab dem Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist (§ 195, § 199 BGB). Eine Forderung aus 2023 verjährt also zum 31.12.2026.

Ist die Forderung bereits verjährt, können Sie die Einrede der Verjährung erheben. Das Inkassounternehmen kann dann nichts mehr gegen Sie ausrichten – auch nicht über ein Gerichtsverfahren.

Dr. Christian Hoffmann, Rechtsanwalt Kiel
Ihr Anwalt

Dr. Christian Hoffmann

Rechtsanwalt in Kiel. Seit über 10 Jahren vertrete ich Verbraucher gegen unberechtigte Forderungen, Abo-Fallen und Inkasso-Abzocke.

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M. S. · Abwehr unberechtigter Forderungen
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T. B. · Vertragsauflösung
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C. W. · Inkasso-Abwehr

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